Zukunftsstrategie Akkreditierung an Bund und Länder übermittelt
Umsetzungsorientiertes Maßnahmenpaket zur Modernisierung der nationalen Akkreditierung
Im Vorfeld der Amtschefskonferenz der Wirtschaftsministerkonferenz am 26.11.2025 wurde den Ländern aus den Reihen des Verbändebündnisses zur Zukunft der Akkreditierung eine „Zukunftsstrategie Akkreditierung“ übermittelt. Bereits zuvor war das Maßnahmenpapier an Dr. Thomas Steffen, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE), adressiert worden.
Die Strategie wurde in einer verbändeübergreifenden Arbeitsgruppe auf Grundlage der im Juni veröffentlichten Verbändeposition zur Zukunft der Akkreditierung erarbeitet. Das nun vorgelegte Dokument geht über die damalige Analyse hinaus und enthält ein konkretes, umsetzungsorientiertes Maßnahmenpaket zur Modernisierung der nationalen Akkreditierung.
Die Zukunftsstrategie greift wichtige Kritikpunkte aus der Verbändeposition auf und führt sie konsequent weiter. Genannt werden unter anderem:
- lange und schwer planbare Verfahren,
- hohe Dokumentations- und Bürokratielasten,
- komplizierte Zuständigkeits- und Entscheidungsstrukturen,
- formalistische Normenauslegungen, teilweise mit nationalen Alleingängen,
- mangelnde Service- und Praxisorientierung,
- teils erhebliche Belastungen, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen.
Vor diesem Hintergrund schlägt die Strategie gezielte Maßnahmen für eine Neuaufstellung der Akkreditierung und eine modernisierte Akkreditierungsstelle vor – eingebettet in die gesetzlichen Leitplanken, aber deutlich serviceorientierter, effizienter und wirtschaftsfreundlicher als bisher.
Um dies zu erreichen, braucht es eine ambitionierte Reformagenda, die mit hoher politischer Priorität und unter maßgeblicher Steuerung des BMWE gestartet werden sollte. Nach Wunsch der Beteiligten sollte dieses Signal nun von den Beratungen im Rahmen der Wirtschaftsministerkonferenz ausgehen.
Kernelemente der Zukunftsstrategie Akkreditierung sind:
1. Praxischeck Akkreditierung starten
Das BMWE soll gemeinsam mit Ländern, Behörden und Wirtschaft zeitnah einen umfassenden Praxischeck einleiten. Ziel ist es, Hürden, Verfahrensbelastungen und strukturelle Schwachstellen systematisch aufzubereiten. Ergebnisse sollen bis Sommer 2026 vorliegen und als Grundlage für Reformentscheidungen dienen.
2. Klare politische Leitlinie für die Akkreditierung
Ein Memorandum of Understanding aller relevanten Stakeholder soll den öffentlichen Auftrag der Akkreditierung zeitgemäß definieren. Eine Zukunftskonferenz Anfang 2026 soll hierfür den Rahmen schaffen. Die dort entwickelten Leitlinien sollen verbindlich in die relevanten Regelwerke einfließen und als Kompass einer modernen nationalen Akkreditierungspolitik sowie für das Handeln einer reformierten Akkreditierungsstelle dienen.
3. Zukunftskommission und Weiterentwicklung eines 2-Säulen-Modells der nationalen Akkreditierung
Eine Zukunftskommission Akkreditierung soll bis Ende 2026 ein Reformprogramm und eine Umsetzungsperspektive erarbeiten. Als Zielbild sieht die Strategie ein weiterentwickeltes 2-Säulen-Modell vor, bestehend aus:
- einer leistungsfähigen und unabhängigen, weiterhin beliehenen Akkreditierungsstelle,
- einem gesetzlich gestärkten Akkreditierungsbeirat mit Mitentscheidungsrechten zu Regeln, Verfahren, Gebühren und strategischen Leitplanken.
Dies soll Gold-Plating eindämmen, Marktnähe stärken und die Komplexität bisheriger Mehrfachstrukturen reduzieren.
4. Übergangsphase mit sofort wirksamen Verbesserungen
Für die Zeit bis zur Verabschiedung und Umsetzung einer Gesamtreform schlägt die Strategie mehrere Übergangsmaßnahmen vor, darunter:
- verbindliche Service- und Bearbeitungsfristen,
- Einrichtung einer Ombudsstelle,
- Benennung eines Chief Customer and Transition Officer,
- regelmäßige praxisnahe Austauschformate zur Klärung von Auslegungs- und Vollzugsfragen.
Zudem werden die Sicherstellung ausreichender Ressourcen für die Übergangsphase, die Unterstützung bundesweiter Digitalisierungs- und Transformationsprojekte sowie ein Moratorium für Gebührenerhöhungen bis zum Vorliegen eines zukunftsfähigen Gebühren- und Finanzierungsmodells empfohlen.
5. Europäische Einbettung stärken
Die Modernisierung kann nach Auffassung der Verbände nur gelingen, wenn sie eng mit europäischen Entwicklungen verzahnt wird. Gefordert werden u. a.:
- ein aktiver deutscher Beitrag zur EU-Reform des New Legislative Framework,
- der rechtssichere Beitritt der DAkkS zur Global Accreditation Cooperation,
- perspektivisch ein harmonisiertes, freizügiges europäisches Akkreditierungssystem, das eine flexible Wahl der nationalen Akkreditierungsstelle ermöglicht.