Zukunftsforum „Wettbewerbsfrage Akkreditierung“
Stakeholder drängen auf Reformjahr 2026
BMWE skizziert Maßnahmenpaket
Die Leistungsfähigkeit des deutschen Akkreditierungssystems entscheidet unter anderem über Marktzugang, Innovationstempo und Wettbewerbsfähigkeit. Beim Zukunftsforum „Wettbewerbsfrage Akkreditierung“ diskutierten zentrale Akteure aus Wirtschaft, Verbänden und Politik darüber, wie Akkreditierung wieder zum Standortfaktor werden kann und planbar, serviceorientiert, digital und europäisch anschlussfähig wirkt. Der Deutsche Verband Unabhängiger Prüflaboratorien (VUP) war als Teil der Verbändeallianz zur Zukunft der Akkreditierung Mitveranstalter der Veranstaltung in Berlin.
Anton Blöth, Geschäftsführer des VUP, eröffnete die Veranstaltung und moderierte den Abend. „Akkreditierung ist Standort- und Wettbewerbspolitik. Wir brauchen ein System, das Vertrauen und Sicherheit schafft, aber auch Luft und Raum für die Wirtschaft und die Konformitätsbewertungsstellen ermöglicht“, fasste Blöth den Kern des Verbände-Positionspapiers zusammen. „Das Zielbild liegt greifbar auf dem Tisch: schlankere und smarte Prozesse, klare Zuständigkeiten, keine nationalen Sonderwege, faire Gebühren und echte Stakeholder-Beteiligung.“
Dr. Carl-Heinrich Graser, zuständiges VUP-Vorstandsmitglied für Fragen der Akkreditierung, wies in seinem Statement auf Belange der Laborpraxis hin: „Der Grundgedanke der Akkreditierung ist, dass ein Labor nachweislich exakte Prüfergebnisse hervorbringt. Dies ist richtig und wichtig, und deshalb brauchen wir die Akkreditierung. Sie darf aber nicht durch ausufernde Dokumentationspflichten und überbordende Anforderungen das Kerngeschäft eines Prüfunternehmens – eine verlässliche Analysetätigkeit – behindern.“
Aus dem hochkarätig besetzten Podium mit Vertretern des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE), des Akkreditierungsbeirats (AKB), des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), des TÜV-Verbands und von Eurolab-Deutschland kam zum Ende ein deutliches politisches Signal: Günter Baumgartner, MdB (CDU/CSU) und zuständiger Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion, bekannte sich klar zum Ziel der Neuausrichtung der Akkreditierung und machte deutlich, dass man bei der DAkkS die „Bremsen lösen” wolle.
Einen substanziellen Punkt der laufenden Zukunftsdebatte setzte der Beitrag von Dr. Arne Höll, zuständiger Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium (BMWE), zur Neuausrichtung der Akkreditierung in Deutschland und Europa. Zu den im BMWE-Beitrag dargestellten Ansätzen einer Reformstrategie Akkreditierung zählen unter anderem:
- Verkürzung der Verfahrensdauern und Verbesserung der Planbarkeit,
- Überprüfung der Gebühren unter dem Gesichtspunkt der Kostendeckung,
- Stärkung des Akkreditierungsbeirats, denkbar auch mit einer klar definierten Rolle als Schiedsstelle,
- ein angestrebter Beitritt zu GLOBAC zur internationalen Anschlussfähigkeit sowie
- Digitalisierung und spürbare Verbesserung der Servicequalität als Kern einer modernen Akkreditierungsdienstleistung.
Die Diskussion zeigte eine breite Übereinstimmung: Entscheidend ist nicht die nächste Analyse, sondern nun eine strukturierte Umsetzung mit klaren Prioritäten, Zeitplänen und messbaren Verbesserungen, die schnell und spürbar in der Akkreditierungspraxis ankommen müssen.
Zum Abschluss appellierte Blöth an alle Beteiligten: „2026 muss das Reformjahr Akkreditierung werden. Wir müssen vom Reden ins Handeln kommen und jetzt gemeinsam mit den Stakeholdern eine Roadmap für eine Reformagenda 2026 aufsetzen. Eine Zukunftskommission Akkreditierung sollte diese Überführung von der Diskussion in die Umsetzung befördern.“